Probengewinnung für mikrobiologische Untersuchungen
1. Abnahmematerial
Die Bestellung von Materialien für Probenentnahme und Probentransport kann über den Laborkurier erfolgen.
Werden Spezialuntersuchungen mit dazu notwendigen speziellen Probegefäßen benötigt, ist eine vorherige Abstimmung mit dem Labor erforderlich.
Folgende Systeme sind in der Mikrobiologie im Einsatz:
Abnahmesysteme Mikrobiologie
| Bezeichnung |
Beschreibung |
Verwendungszweck |
| Abstrichtupfer mit kohlehaltigem Transportmedium |
Kappe: orange, Tupfer: dünn |
z. B. für Augen-, Ohr- oder Urethralabstriche |
| Abstrichtupfer mit kohlehaltigem Transportmedium |
Kappe: schwarz, Tupfer: dick |
z. B. für Wund-, Rachen-, Vaginalabstriche |
| Röhrchen, steril, 30 ml |
Deckel: weiß |
z.B. für Punktate, Sekrete, Urin, Sputum, Gewebe |
| Röhrchen, steril, 10 ml |
Deckel: gelb |
z.B. für Punktate, Sekrete, Urin, Sputum, Gewebe |
| Röhrchen, steril, mit Urinstabilisator, 10 ml |
Deckel: grün |
nur für Urin verwendbar |
| Stuhlröhrchen mit Löffel |
Deckel: braun |
Für ... Stuhl! |
| Spezialabstrichbesteck Probetec Urethra |
Aufkleber: blau, Tupfer: dünn |
Chlamydien- und Gonokokkennachweis aus Urethra- und Konjunktivalabstrichen |
| Spezialabstrichbesteck Probetec Cervix |
Aufkleber: weiß, Tupfer: 2 x dick |
Chlamydien- und Gonokokkennachweis aus Cervixabstrichen |
| Blutkultur-Flaschenset aerob/anaerob |
Glasflasche, Deckel blau bzw. silber |
Venöses Blut, ggf. Liquor |

2. Materialgewinnung

2.1. Allgemeine Hinweise
Entnahme des Untersuchungsmaterials möglichst vor Beginn von erregerschädigenden Maßnahmen (Antibiotika, Antiseptika, etc.)
Probe möglichst am Ort der Infektion entnehmen
Falls Infektionsherd nicht bekannt oder nicht zugänglich: Probenmaterial entnehmen, in das Infektionserreger erfahrungsgemäß häufig übertreten (Blut, Urin, Pleuraflüssigkeit, Ascites o. ä.)
Probengefäß eindeutig kennzeichnen (Name, Vorname, Geburtsdatum), mehrere Proben vom gleichen Entnahmeort nummerieren
Probenbegleitschein vollständig ausfüllen und alle für die mikrobiologische Diagnostik und Befundinterpretation notwendigen Informationen eintragen (Art des Untersuchungsmaterials, Entnahmestelle, Entnahmezeitpunkt, klinische Diagnose/Verdachtsdiagnose oder klinische Symptomatik, ggf. gleichartige Umgebungserkrankungen, bisherige antibiotische Therapie, ggf. Hinweis auf fremde Vorbefunde)
Entnommenes Material möglichst schnell ins mikrobiologische Labor bringen, ggf. Transportmedien verwenden (s. u.)
Falls Patient Material selbst entnehmen soll (v. a. Stuhl, Urin und Sputum), muß zuvor eine ausführliche Unterweisung erfolgen!

2.2 Abstriche
Bei allen Abstrichen von Körperoberflächen Gefahr der Kontamination durch Bakterien der physiologischen Flora.
Abstrich möglichst aus der Tiefe eines entzündlichen Prozesses, bei Wunden auch vom Wundrand entnehmen, oberflächliche Sekrete zuvor mit sterilem Tupfer abwischen.
Abszesse besser punktieren und Eiter in der Spritze oder einem sterilen Röhrchen ins Labor senden.
Mit dem Abstrichtupfer möglichst viel Material entnehmen, dabei gesunde Umgebung nicht berühren
Tupfer unverzüglich ins Transportmedium einbringen.
Lagerung bis zum Transport bei Raumtemperatur.

2.3 Blutkulturen

2.3.1 Grundsätze
Der günstigste Entnahmezeitpunkt einer Blutkultur liegt vor oder zu Beginn des Fiebers, da dann die Erregerkonzentration im Blut am höchsten ist.
Es sollten 2 - 3 Blutkulturen pro Tag zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit einem Mindestabstand von 1 Stunde entnommen werden, da die Zahl positiver Kulturen bis zur dritten Probe ansteigt. Mehr als 3 Kulturen pro Tag erhöhen jedoch die Ausbeute erfahrungsgemäß nicht.
Die ersten beiden Blutentnahmen sollten möglichst vor Beginn einer antibiotischen Therapie, Entnahmen unter Therapie am Ende eines Dosierungsintervalles erfolgen.
Bei jeder Entnahme sollte eine aerobe und eine anaerobe Blutkulturflasche beimpft werden.

2.3.2 Beimpfung der Blutkulturen
Durchstichstopfen der Flaschen mit Alkoholpräparat desinfizieren.
Eigene Hände und Venenpunktionsstelle mit geeigneten Präparaten gründlich desinfizieren.
Ca. 20 ml Blut entnehmen und jede Flasche mit 7 - 10 ml Blut beimpfen.
Aerobe und anaerobe Flasche nicht belüften!
Beimpfte Flaschen möglichst sofort ins Labor bringen, ansonsten bis zum Transport bei 35 ° bis 37 °C - notfalls auch bei Raumtemperatur - aufbewahren.

2.4 Biopsie- / Operationsmaterial
Möglichst mehrere Gewebestücke von verschiedenen Stellen des Entzündungsprozesses entnehmen.
Probe in steriles Gefäß geben, bei kleinen Proben agarhaltiges Transportröhrchen der normalen Abstrichtupfer verwenden.
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport bei Raumtemperatur lagern.

2.5. Bronchialsekret / Bürstenabstrich
Die erste Aspirationsprobe nach Einführen des Bronchoskops verwerfen (sehr häufig noch mit Mundflora kontaminiert).
Sekret/Abstrich möglichst nah am Ort der vermuteten Infektion entnehmen Aspiriertes Sekret bzw. Bürste in steriles Gefäß umfüllen.
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.

2.6. Sputum
Zur Diagnostik tiefer Atemwegsinfektionen nicht besonders geeignet, da in der Regel wegen Speichelbeimengung durch Keime der physiologischen Oropharyngealflora kontaminiert (Gefahr von Fehldiagnosen!).
Patient muß eingehend über die korrekte Vorgehensweise bei der Sputumgewinnung unterrichtet werden.
Günstigster Entnahmezeitpunkt: direkt nach dem Aufwachen (erstes Morgensputum).
Zahnprothesen nicht einsetzen bzw. entfernen Unmittelbar vor dem Abhusten Mund mehrmals mit klarem Leitungswasser ausspülen (Mundflorareduktion).
In ein weitlumiges Gefäß abhusten lassen, erst danach in Transportgefäß umfüllen.
Probe noch am gleichen Vormittag ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.

2.7. Trachealsekret
Nur bedingt besser geeignet als Sputum, da Trachea schon kurz nach Tracheaostomaanlage durch Oropharyngealkeime besiedelt ist.
Materialentnahme möglichst zeitnah zum Eintreffen des Laborkuriers vornehmen.
Kanüle bzw. Tubus wechseln.
Sterilen Absaugkatheter, möglichst mit Sekretfalle, einführen.
Aspiriertes Sekret in steriles Gefäß umfüllen, notfalls sekrethaltige Katheterspitze abschneiden und in steriles Gefäß geben.
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.

2.8. Nukleinsäurediagnostik (Chlamydien- und Gonokokkendirektnachweis)

2.8.1. Urethralabstrich
Vor der Entnahme kein Wasserlassen. Dünnen Tupfer 2 - 4 cm tief in die Harnröhre einführen und durch drehende Bewegung unter leichtem Druck Epithelzellen entnehmen.
Abstrich in mitgeliefertes Transportmedium überführen und bei Raumtemperatur lagern.

2.8.2. Cervixabstrich
Portio mit Spekulum einstellen und Cervikalschleim mit erstem dicken Tupfer entfernen.
Zweiten Tupfer in Cervikalkanal einführen und durch drehende Bewegung unter leichtem Druck eine möglichst große Menge von Epithelzellen gewinnen.
Abstrich in mitgeliefertes Transportmedium überführen und bei Raumtemperatur lagern.

2.9. Liquor für mikrobiologische Untersuchungen
Punktionsstelle mit geeigneten Präparaten gründlich desinfizieren, alkoholische Desinfektionsmittel vor der Punktion verdunsten lassen.
Nach hygienischer Händedesinfektion sterile Handschuhe anziehen und Punktion unter streng aseptischen Bedingungen vornehmen.
Zwei bis drei sterile Röhrchen mit mindestens 2 ml, möglichst jedoch mit 5 - 10 ml Liquor füllen.
Röhrchen dicht verschließen und schnellstens ins Labor bringen, bis zum Transport bei Raumtemperatur(!) lagern.
Bei längerem Transport kann zusätzlich noch eine vorgewärmte Blutkulturflasche beimpft werden.

2.10. Punktate
Punktionsstelle mit geeigneten Präparaten gründlich desinfizieren, alkoholische Desinfektionsmittel vor der Punktion verdunsten lassen.
Nach hygienischer Händedesinfektion sterile Handschuhe anziehen und Entzündungsprozeß punktieren, gegebenenfalls unter streng aseptischen Bedingungen (z. B. Gelenkpunktionen).
Punktat in der Spritze oder in einem sterilen Röhrchen schnellstmöglich ins Labor senden, bei längerer Lagerung zusätzlich eine Blutkulturflasche mit dem Punktat beimpfen.
Lagerung bis zum Transport bei Raumtemperatur; beimpfte Blutkulturflaschen können auch bei 37°C bebrütet werden.

2.11. Stuhl/Rektalabstrich
Zum Ausschluß einer infektiösen Enteritis sollten Stuhluntersuchungen an drei aufeinanderfolgenden Tagen vorgenommen werden. Ein einzelnes negatives Ergebnis schließt eine infektiöse Genese nicht aus.
Zur Stuhleinsendung bitte nur die zur Verfügung stehenden Stuhlröhchen mit Schraubverschluß und Entnahmelöffel verwenden. Gefäße mit Korkstopfen sind wegen der hohen Kontaminationsgefahr bei hinausgefallenen Stopfen vollkommen ungeeignet!
Mit dem zum Probenröhrchen gehörenden Löffel eine ca. bohnengroße Menge Stuhl, bei flüssigem Stuhl ca. 2 - 3 ml in das Probenröhrchen überführen. Für parasitologische Diagnostik doppelt so große Menge einsenden.
Probe möglichst umgehend ins Labor bringen, ansonsten bis zum nächsten Tag bei Raumtemperatur oder gekühlt lagern.
Nie Proben übers Wochenende oder von mehreren Tagen sammeln und erst dann ins Labor schicken.
Rektalabstriche durch Einführen eines dicken Abstrichtupfers (schwarze Kappe) bis hinter den Schließmuskel unter mehrfachem Drehen aus dem Rektum entnehmen. Tupfer anschließend in Transportmedium einbringen und bis zum Transport bei Raumtemperatur lagern.

2.11.1. Oxyurennachweis

2.12. Urin, aus Blasenpunktion
Goldstandard der Uringewinnung
Voraussetzung: gefüllte Blase
Punktionsstelle sorgfältig desinfizieren
Punktion unter antiseptischen Bedingungen (hygienische Händedesinfektion, sterile Einmalhandschuhe) zwischen unterem und mittlerem Drittel der Verbindungslinie Symphyse/Nabel
Urin in steriles Gefäß umfüllen (ggf. in 10 ml-Röhrchen mit Urinstabilisator)
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.
Möglichst keine Urintauchkultur beimpfen (Anaerobier und andere anspruchsvolle Keime auf UTK nicht anzüchtbar).

2.13. Urin, aus Dauerkatheter
Vorgegebene Entnahmestelle oder proximalen Katheterteil sorgfältig desinfizieren und mit steriler Kanüle punktieren.
Verbindung Katheter/Ableitungsschlauch nicht öffnen.
Nie Urin aus dem Auffangbeutel entnehmen (sekundäre Keimzahlerhöhung!).
Urin in steriles Gefäß umfüllen (ggf. in 10 ml-Röhrchen mit Urinstabilisator)
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.

2.14. Urin, aus Einmalkatheter
Wegen des Risikos einer Keimverschleppung Einmalkatheterisierung nicht ohne weiteres zu empfehlen
Genitalbereich wie bei Mittelstrahluringewinnung (siehe dort) sorgfältig reinigen
Katheterisierung unter antiseptischen Bedingungen (hygienische Händedesinfektion, sterile Einmalhandschuhe)
Erste Urinportion verwerfen, mittlere Portion in sterilem Gefäß auffangen (ggf. in 10 ml-Röhrchen mit Urinstabilisator).
Material möglichst schnell ins Labor bringen, bis zum Transport im Kühlschrank lagern.
Urintauchkultur nur in Notfällen oder bei erwarteter längerer Lagerung bis zum Transport verwenden (anspruchsvolle Keime auf UTK nicht anzüchtbar).

2.15. Urin, aus Mittelstrahl
| Frauen |
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Männer |
Unterleib vollständig entkleiden
Auf dem WC-Sitz unter seitlichem Abwinkeln eines Oberschenkels mit einer Hand die Labien gespreizt halten
Mit der anderen Hand Vulva 3 x mit jeweils einem frischen, feuchten Tupfer von vorn nach hinten reinigen und abschließend mit einem trockenen Tupfer trocknen
Ein Drittel bis eine Hälfte des Blaseninhalts ablaufen lassen, dann ca. 10 ml in sterilem Einmalbecher auffangen
Urin in steriles Röhrchen umfüllen (ggf. in 10 ml-Röhrchen mit Urinstabilisator)
Verschluß aufsetzen, ohne Gefäßrand mit den Händen zu berühren
Falls Röhrchen beim Umfüllen von außen mit Urin kontaminiert wurde, unter fließendem Wasser reinigen.
|
|
Vorhaut vollständig zurückziehen und während der gesamten Uringewinnung so belassen
Glans penis mit feuchtem Tupfer reinigen und abschließend mit einem trockenen Tupfer trocknen
Ein Drittel bis eine Hälfte des Blaseninhalts ablaufen lassen, dann ca. 10 ml in sterilem Gefäß auffangen (ggf. in 10 ml-Röhrchen mit Urinstabilisator)
Verschluß aufsetzen, ohne Gefäßrand mit den Händen zu berühren
Falls Gefäß beim Wasserlassen von außen mit Urin kontaminiert wurde, unter fließendem Wasser reinigen.
|

2.16. Urin für Tuberkulosediagnostik
Mindestens 20 ml Morgenurin einsenden.
Zur Erhöhung der Mykobakterienkonzentration im Urin sollte am Abend zuvor möglichst wenig Flüssigkeit aufgenommen werden.
Die Untersuchung von Urinproben an drei aufeinanderfolgenden Tagen erhöht die Ausbeute.
